Zum Fläming

Ein besonderes Flair in der Burger Gastronomielandschaft besaß der Bierkeller auf den Höhen des Flämings und in der Nachbarschaft des Bismarckturmes. Mit einem freien Blick auf das Bürger-Holz, der bis zum letzten Tag der Gaststätte bei den Gästen beliebt war. Bekannt wurde er im Laufe der Jahre auch unter der Bezeichnung Parkrestaurant „Zum Fläming“.

Tageblatt 22. Mai 1885

Aus dem Stadtarchiv ist zu entnehmen, dass 1846 mit dem Bau eines Wohnhauses begonnen wurde. Zwei Jahre zuvor hatte Brauereibesitzer Theodor Krepper begonnen, den Bierkeller, der als Eiskeller für seine Brauerei dienen sollte, in den Höhenzug zu graben. Es war in Burg für das süffige Getränk der erste derartige Kühlkeller. Der Unternehmer soll zu dem Zeitpunkt veranlasst haben, einen Biergarten nach bayrischer Art einrichten zu lassen und den Gaststättennamen „Bairisches Haus“ ausgewählt haben. In den Jahren nämlich erreichte der Vertrieb des begehrten bayrischen Lagerbieres den Norden Deutschlands und machte es deshalb unumgänglich, für die angelieferte süddeutsche Ware sichernde Lagermöglichkeiten zu schaffen. Das eben in großzügig angelegten unterirdischen Bierkellern.

Kreppers Firmenphilosophie, dessen Brauerei als Industriebrache heute noch in der Magdeburger Straße zu sehen ist, soll nie darin bestanden haben, selbst die Gaststätte auf dem Fläming betreiben zu wollen. 1870 wurde an Stelle der bisherigen bescheideneren Variante eine Gaststätte mit Räumlichkeiten wie Restaurant, zwei Sälen für Erdgeschoss und erste Etage und einem Billardzimmer gebaut. Bauherr Keppler hat sie stets verpachtet.

Aus dem Burger Tageblatt vom Mai 1885 ist zu entnehmen, dass Gäste zum Bierkeller gerufen wurden. Augenscheinlich wurde aber nicht direkt in den Kellerräumlichkeiten serviert, sondern die Ausflugsgaststätte zwischenzeitlich so genannt und das bis in die 30er Jahre. Zur Abwechslung annoncierte ein Pächter Mitte der dreißiger Jahre seinen Gasthof auch als „Parkrestaurant und Café Bierkeller“. Das besondere damals, das die Wirte bei der Naturlage auf dem Flämingrücken versuchten, Familien mit der Repräsentation von Tieren anzulocken. Gastronom Willi Deike zum Beispiel lud Kinder zum Eselreiten ein. Das Betreiben eines Minizoo wurde bis zum Schluss der Gaststätte beibehalten. In den achtziger Jahren bis zum Finale in den neunziger Jahren gab es unter anderem Hängebauchschweine zu bestaunen.

Bismarckturm 20er Jahre

Das Bayrische Haus oder Bierkeller

In traulichem Grün verborgen
thront draußen am Bergesrand
der alte gemütliche Keller;
weit in der Ferne bekannt.

Da schaut man auf dunkle Wälder,
auf Dörfer und Wiesengrün;
da träumt man von Freude und Liebe
und lässt die Grillen ziehen.

Wie kann man dort trinken und singen!
Wie glücklich fühlt man sich dort!
Wie gern bin ich droben gewesen,
Wie ungern zog ich stets fort!

Das war ein fröhliches Leben,
das war eine köstliche Zeit.
Du alter gemütlicher Keller,
Wie liegt nun das Gute soweit!

Unbekannter Dichter um 1885

Ansichtskarte aus der Zeit um 1900

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit der Ausflugsgaststätte erst einmal vorbei. Untergekommen war vermutlich wegen der luftigen Höhenlage eine Erholungsstätte für Lungenkranke. Es wurde eine Tbc-Tagesliegestätte eingerichtet. Deren Eröffnung war am 1. Juni 1949 und zur Verfügung standen bis zu 50 Betten. Später zog eine Außenstelle des Jugendwerkhofes „August Bebel“ ein und Anfang der 60er Jahre musste der Komplex für die Burger Bekleidungswerke als Produktionsstätte „Fläming“ herhalten. Im Januar 1964 die frohe Kunde der Volksstimme, dass das Ehepaar Leskien die Gaststätte wieder zum Leben erwecken will.

Der etwas vernachlässigte Park sollte erneut als Naturgartenanlage gestaltet werden. Als Name wurde Parkgaststätte „Zum Fläming“ auserkoren. Sie überlebte aber nur einige Jahre der politischen Wende, auch wenn sie vorrangig an den Wochenende weiter ein begehrtes Ausflugsziel war. Und wenn auch der damalige Bundesaußenminister Dietrich Genscher ein Mittagspause eingelegt hatte, was als Werbeaussage mit einem Foto im Gastraum verewigt wurde. Der Kurzaufenthalt war auf einer Wahlkampftour passiert, denn die Bundesstraße 1 verläuft in unmittelbarer Nähe.

Parkgaststätte „Zum Fläming“ 1988

Ausflugsziel Kanal
Brehm
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