Waldhalle

Die Gaststätte Waldhalle mit ihrer Adresse Forststraße 12 war seit Anbeginn ein beliebtes Ausflugsziel der Burger. Und ist es zum Glück heute wieder.

Begonnen hatte alles 1875, als der Restaurateur Joseph Scola, der außerdem Buchhändler war, mit seiner Frau Wilhelmine am Rande des Bürger Holzes ihre Gaststätte eröffneten. Geschehen in einem zu diesem Zwecke erbauten neuem Haus. Er führte die Waldhalle bis 1881. Liest man seine Anzeigen im Burger Tageblatt, kommt man zu dem Schluss, dass es eine Gastwirtschaft der gehobenen Klasse gewesen sein muss.

Welcher Wirt pries vor 130 Jahren Straßburger Gänseleber, delikate Forellen und frisch eingetroffenen Kaviar an, wenn er nicht auf gut situierte Gäste eingestellt war? Joseph Scola folgten ab 1881 in schneller Folge die Inhaber G. Haberhauffe, Schellhase, Otto Hünerbein und Max Mönch. Schellhase hatte den Saal anbauen lassen.

Gastwirt Robert Hoppe hielt es ab März 1893 dann neun Jahre aus. Seine organisierten Konzerte müssen so gut gewesen sein, dass die Burger Neusten Nachrichten nicht umhin gekommen waren, sehr oft über sie zu berichten. Das schützte Hoppe nicht von einer Katastrophe. Im Sommer 1908 brannte das Gebäude. Es war vermutlich so schwer beschädigt, dass ein Nachfolgebau unausweichlich blieb. Der Wert des Grundstückes war zum Zeitpunkt des Brands auf 17 000 Mark geschätzt worden. Stehen geblieben waren nur die Stallgebäude. Im September 1908 konnte das Burger Tageblatt melden: „Herr Robert Hoppe baut die Waldhalle wieder auf.“ Es sollte ein zweistöckiges Haus werden, so, wie es heute noch zu sehen ist.

Paradies

Wer in verstaubten Akten tagtäglich wühlen muß,
für den ist doch mein Schultheißbierein himmlischer Genuss!

Wer hinter dem KathederJungdeutschland täglich lehrt,
der ist, das glaubt doch jeder,des würz’gen Trunkes wert!

Wer Meißel, Hobel, Hammerdie ganze Woche hebt,
dem ist, ein reiner Jammer,die Kehle wie verklebt!

Und weh‘ den armen Frauen,die hinterm Kochherd stehn
und die sich nicht getrauenins Paradies zu gehn;
sie müssen Strümpfe stopfenund bügeln früh und spät,
dieweil der Malz und Hopfendurch Männerkehlen geht!

Werft Fingerhut und Schere,wenn die Geduld Euch reißt,
beherziget die Lehrevom Wirt, der Mahler heißt:
Lasst Euch nicht unterjochen,Ihr vielgeplagten Frau’n,
Ihr müßt auf Rechte pochen, das Paradies zu schau’n;
Laßt Euren Mann zu Hause, legt er ein Veto ein,
Ihr müßt beim Kafeeschmause stets meine Gäste sein!!

Wilhelm Mahler

Hoppe bewirtschaftete das Lokal bis Oktober 1912. Nachfolger war Wilhelm Mahler. Er taufte die Waldhalle „Zum Paradiese“ um. Der Grund war wohl, dass seine Ausflugsgaststätte am Eingang der nahen Burger grünen Lunge stand, die ihm wie ein Paradies vorgekommen sein muss. Den Rückschluss kann man ziehen, wenn man weiß, dass er für sein „Paradies“ ein Gedicht verfasst hatte, das diese Einstellung zum Ausdruck brachte. Der Name hatte übrigens nur zwei Jahre Bestand. Der nächste Gaststättenbesitzer, er hieß Otto Beyer, hatte sich wieder auf den Traditionsnamen Waldhalle besonnen.

Die Waldhalle war zu jeder Zeit ein begehrter Treffpunkt von Vereinen. Ob Burger Ballspielclub 1908, der Verein der Hundefreunde P.-H.-V. oder der Burger Mandolinenclub Alpenstern – sie waren allesamt dort zu Versammlungen oder Vergnügungen anzutreffen. Willi Brockhage, er war einer der Gastwirte in den 20- und 30er-Jahren, wurde von den Vereinen als ein „durchaus moderner Mann“ bezeichnet. Er richtete nämlich 1925 eine Radio-Empfangsanlage, wie sie damals hieß, für die Gäste ein.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hatte Else Weidling den Mut, die Waldhalle zu einer neuen Walderholungsstätte auszubauen. Eröffnung war am 5. Juni 1948. Die neue Betreiberin versuchte aus ihrer Waldhalle ein ansprechendes Ausflugslokal zumachen, was ihr augenscheinlich auch gelang. 1953 allerdings ist von ihr nicht mehr die Rede. Die Waldhalle wird in der Volksstimme als Zentrum der örtlichen Ferienspiele von Burger Schulen genannt. Erstaunt vermeldet der Berichterstatter, dass sich 100 Jungen und nur zwei Mädchen erholen.

Ab dem Sommer 1959 wurde aus der Waldhalle die Ausflugsgaststätte Waldesruh unter Regie des HO-Kreisbetriebes. Wie in den Jahren üblich, wurde ein großer Teil der Bau- und Gestaltungsarbeiten als „freiwillige Aufbaustunden“ geleistet. Sogar NVA-Soldaten des Burger Panzerregimentes hatten sich mit exakt 836 Stunden beteiligt. Erwähnenswert ist außerdem, dass der Musikpavillon zum Ende des Jahres 1972 abgegeben wurde, als Sitz für den Burger Hundeverein, was er nach einigen Umbauten und Erweiterungen heute noch ist.

Nach der Wende hatte der Ausflugsort keine einfache Zeit zu überstehen. Im März 1995 übernahm die Burger Schützengilde das Haus. Drei Pächter versorgten die Gäste bis 2006. Der Burger Klaus Möhring, auch Betreiber der Gaststätte „Zum Goethepark“, kaufte das Anwesen und ließ die Räumlichkeiten umgestalten. Er eröffnete das Traditionslokal unter den altehrwürdigen Namen „Zur Waldhalle“ wieder. Sie wurde den Burgern als Gasthaus wieder so gut in Erinnerung gerufen, dass von ihr aus im Mai 2008 die Burger Kneipennacht gestartet wurde und eine Magdeburger Tanzschule den Saal für Tanzkurse angemietet hatte.

Schützenhaus
Wilhelmsgarten
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