Rote Mühle

Die exakte Adresse der Gaststätte Rote Mühle war die Nummer 1 b. Von ihr ist nicht mehr viel zu sehen, nur noch ein Gebäudefragment, das heute als Wohnhaus dient. Eigentlich sollte es von Anbeginn, nämlich 1856 ein Wohnsitz sein. Ein Maurermeister ließ ein Haus mit Stube, Küche und Kammer bauen. Es wurde dann noch zwei Jahre später an eine Mühle samt Mühlenrad gedacht. In unmittelbarer Nähe befand sich ein relativ ausladendes Gewässer mit Mühlenteich und einem so genannten Freigraben. Ein Gewässersystem, dass eine Mühle durchaus zum Klappern bringen konnte. Dass hier eine bekannte Burger Ausflugsgaststätte sich öffnen könnte, daran war zu dem Zeitpunkt und auch 20 Jahre später nicht zu denken. Erst einmal wurde auf dem Gelände ein Fabrikgebäude errichtet, untergebracht in ihr eine Spinnerei. Datiert ist der Bauplan aus dem Jahr 1873. Ein Jahr später wurde zaghaft die nahtouristische Anzugskraft entdeckt. Im Dezember 1874 wurden in einer Zeitungsanzeige „Herren und Damen zu einer sehr guten Eisbahn“ gerufen. Der wintersportliche Ruf dauerte Jahrzehnte an. So lud später Restaurateur F. Schellhase die „geehrten Herrschaften“ zum Schlittschuhlaufen auf der Eisfläche des Mühlteiches ein.

Ganz vergessen wurde trotz erwachender Gastronomie an der Roten Mühle, deren Gaststätte damals Waldschlößchen hieß, das Fabrikantentum nicht. Zum einem vermarktete Mühlenbesitzer und Schankwirt Ferdinand Schulze im Mai 1885 „eine Parthie Strick-und Stopfgarn in allen Farben bei bester Qualität zu einem Pfund für je eine Mark“. Zum anderen bot der gleiche Unternehmer einen „Dampfdreschapparat“ und eine „Dampfbreitdreschmaschine“ der hiesigen Bauernschaft und den Gutsherren an. Die erst ungenannt Dreschtechnik war mit einer „10 Pferdekraft starken Wolffschen Automobile“ ausgestattet. Überliefert ist, das Schulze 1888 in von voller Ausstattung das „Restauarnt zur rothen Mühle“ eröffnet.

Tageblatt 22. Juli 1888

Erstes Lockmittel für zu erwartende Gäste: Es wurde ein Schwein ausgekegelt. Mit solchen schweinischen Kegelwettbewerben wurden Burger bis Ende des 19. Jahrhundert gerufen, wenn dann auch von anderen Betreibern und Besitzern.

Warum Robert Unger als Geschäftsübernehmer im Dezember 1904 die Burger Öffentlichkeit aufgerufen hatte, per Preisausschreiben eventuelle für den Namen „Rote Mühle“ ein neuen zu finden, ist nicht überliefert. An dem ursprünglichen Namen müssen aber tatsächlich eine Reihe von Burgern kein Interesse mehr gehabt haben.

Jedenfalls geht aus der Ausgabe des Burger Tageblattes vom 1.Januar 1905 hervor, dass Unger mit seiner Frau ihre Ausflugsgaststätte als Waldschlösschen titulierten. Mit dem Schlösschen-Titel war es aber 1907 vorbei. Der neue Betreiber P. Schade besann sich wieder auf die Lokalität namens „Rote Mühle“. In jener Zeit versuchte der neue Wirt seine Gäste mit besonderen Höhepunkten an sein Umsatz zu binden. Im Tageblatt vom 30. Juli 1907 hieß es: „In der Roten Mühle wurde gestern der Affenkäfig von Schaulustigen förmlich belagert. Das Affenbaby ist wohl und munter. Der Affenvater hat aus dem Käfig entfernt werden müssen, weil er aus übergroßer Zärtlichkeit das Junge bald erdrückt hätte.“

Gruß aus dem Restaurant „Rothe Mühle“ bei Burg b. Magdeburg

Dass die „Rote Mühle“ bis in die Zeiten vor den Zweiten Weltkrieg gern besucht wurde, lässt eine Zeitungsnotiz aus den dreißiger Jahren vermuten. Demnach feierte die Sportlerinnen-Abteilung des Burger Ballspiel-Clubs 08 einen Rosenball.

Von dieser Ausflugsgaststätte ist nichts mehr zu erahnen. Bis in die neunziger Jahre hinein allerdings waren noch die Ruine des ehemaligen Fabrikgebäudes zusehen – samt Schornstein. Inzwischen aber ist in dem Bereich eine Wohnsiedlung entstanden.

Logenhaus
Schützenhaus
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