Logenhaus

Logenhaus, Stadtschänke, Jugendklubhaus, Café „Freundschaft“, wieder Logenhaus einschließlich Hotel Zerbster Tor und jetzt gastwirtschaftlich artfremd ein Gesundheitssportunternehmen. Die Zerbster Straße 31 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Erinnerungswert ist aus der Historie, dass Ludwig Gottfried Müller im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts auf dem Fleck eine Tuchfabrik errichten ließ. Er hatte mit dem Unternehmen kein wirtschaftliches Glück. Zehn Jahre vergingen und er musste die Fabrik schließen. Was folgte, ging in die Richtung, die an dem Platz weit über ein Jahrhundert stetig entwickelt wurde, nämlich in die gastronomische. Aus der Tuchfabrik wurde ein Tanzsaal, der sich zum Treffpunkt der gehobenen Burger Gesellschaft mauserte. Der ihr entstammenden Gesellschaftsvereins „Harmonie“ baute das Gebäude um und aus. 1847 interessierte sich die an Mitgliedern wachsende Freimaurerloge Adamas zur Heiligen Burg für das Haus. Zuerst mietete sie Räumlichkeiten an und erstand 1868 es schließlich komplett. Die Loge war zu dem Zeitpunkt über 80 Personen stark. 1911 erhielt der Logensitz durch Erweiterung das Gesicht, wie es heute für die Zerbster Straße prägend ist. Bestandteil blieb stets ein Restaurant samt Saal für Feiern der wohlhabenden Bürger. Einen guten Ruf bei den Betuchten hatte immer wieder der Weinbestand des Logenkellers. Jeder Gastwirt, der im Verlauf der Jahrzehnte den Betrieb übernommen hatte, wusste damit zu werben. Wenige Gastronomen waren es nicht.

Der Saal des Logenhauses mutete Anfang des vorigen Jahrhunderts fast fürstlich an. Welche Gesellschaftsschicht über Jahrzehnte einkehrte und feierte, soll ein Beispiel bezeugen. Am 4. August 1921 wurde mit großem Pomp die Hochzeit der Tochter Marie Victoria Margarete des Besitzers der Steinhausbrauerei Adolf Schmidt gefeiert. Welchen Stellenwert das Logen-Restaurant in Burg hatte, ist zudem einer öffentlichen Einladung „an die Bürgerschaft der Stadt Burg“ zu entnehmen, datiert vom 10. Februar 1907. Mit einem Festessen wurde die Amtseinführung des Ersten Bürgermeisters Richard Schmelz begangen. Drei Mark musste der gewillte Teilnehmer berappen, ließ das eigens zu dem Anlass gebildete „städtische Fest-Komitee“ verkünden. Dass das Logenhaus standesgemäß eine Tennisanlage besaß, sei auch erwähnt. Sie wurde 1930 sogar vergrößert.

Erstaunlich ist, was vor 100 Jahren die Mark für einen Wert besaß, abzulesen aus einer Anzeige des Logenwirtes Wilhelm Fricke aus dem Jahr 1901. Er empfahl zwei Speisenfolgen für die Weihnachtsfeiertage dem gut situierten Burgern für 1,50 Mark pro Person. Verspeist werden konnten beim ersten Menü Krebssuppe, Karpfen Blau mit Butter und Merettich, Gänsebraten, Kompott und Salat, Fürst-Pückler-Eis und als Finale Butter und Käse.

Mit der Machtübernahme der Nazis war das Kapitel Logenhaus vorerst beendet. 1935 erfolgte die Liquidation des Logenvermögens. Ein Jahr später verkaufte die Stadt das Grundstück an den Logenwirt Niemann, bis es Gastwirt Tosch als Stadtschänke 1937 aufmachte. Zum Ende des II. Weltkrieges wurde der Komplex als Reservelazarett genutzt. Die letzten Verwundeten verließen es nach Kriegsende im Sommer 1945. Die Familie Tosch konnte das Haus als Stadtschänke weiter betreiben, bis das Restaurant unter gleichen Namen Anfang der 50er Jahre von dem staatlichen HO-Gaststättenbetrieb übernommen wurde. Die HO machte eine Nachtbar daraus. Täglich von 12 bis 4 Uhr war geöffnet. Mit „Musik bis 3 Uhr“ wurden Besucher gelockt.

Aus einer Volksstimme-Notiz vom 3. September 1955 geht hervor, dass in den Räumen eine Fernsehstube eingeweiht wurde. „Von nun ab haben alle Einwohner die Möglichkeit, täglich von 20 bis 22 Uhr das Programm des Fernseh-Studios Berlin-Adlershof zu sehen und zu hören“, wurde angekündigt.

In den 60er Jahren bekam das gesamte Gebäude den Status eines Jugendklubhauses, war trotzdem eine Gaststätte für jedermann und Ort markanter Ereignisse. So wurde 1978 Bürgermeister Günther Skippe im Saal groß verabschiedet.

Eine ausgezeichnete Adresse war die Gaststätte, jetzt als HO-Café Freundschaft bezeichnet, bei den Burgern, als ab 1976 nach Rekonstruktion des Klubhauses Hans Patzak als Restaurantleiter eingesetzt wurde. Nach 1989 wurde unter marktwirtschaftlichen Bedingungen das Hotel Zerbster Tor eingerichtet. Zudem erhielt die Loge ihr Eigentum zurück. Bis weit in die 90er Jahre blieb es für die Burger bei einer Gaststätte. Das endgültige Aus als Gastronomiebetrieb kam mit dem letzten Betreiber. Er machte sich eines Tages über Nacht in unbekannte Richtung davon. Die Spekulationen über das Warum schossen üppig ins Kraut. Was dagegen über Jahre bittere Realität blieb: Die Gasträume und Küche verwaisten. Anfang des neuen Jahrtausends übernahm der Verein „Gesundheitssport Jerichower Land 2004“ das Terrain und richtete das Institut für Gesundheit und Bewegung ein.

Konzerthaus
Rote Mühle
Bookmark the permalink.