Kioske

Unvergesslich älteren Burgern dürfte der Imbiss am Burger Gummibahnhof heute noch sein. Beides hörte auf zu existieren, als in den siebziger Jahren begonnen wurde, in dem Gebiet uniformierte Neubauten aneinander zu reihen. Ein Straßenzug, nämlich die Külzstraße, verschwand komplett und erhielt einen gänzlich anderen Verlauf. Der Ersatzbusbahnhof entstand vor dem Bahnhof neu.

Unvergesslich älteren Burgern dürfte der Imbiss am Burger Gummibahnhof heute noch sein. Beides hörte auf zu existieren, als in den siebziger Jahren begonnen wurde, in dem Gebiet uniformierte Neubauten aneinander zu reihen. Ein Straßenzug, nämlich die Külzstraße, verschwand komplett und erhielt einen gänzlich anderen Verlauf. Der Ersatzbusbahnhof entstand vor dem Bahnhof neu.

Als es ihn aber an vertrauter Position gab, durfte es an einem Kiosk nicht mangeln. Gebaut wurde die Buswartehalle zum Jahreswechsel 1953/1954. Erst 1956 folgte die Minigaststätte nebst Toilettenanlage. Verkauft wurde die Imbissware im Aufenthaltsraum durch ein Luckenfenster.

Frieda und Paul Litschke waren die Betreiber bis 1963. Nur hatte ihr Kiosk irgendwann den Ruf, eher für hartnäckige Trinker ein magischer Punkt zu sein, als ein zeitbegrenzter Aufenthaltsort für wartende Buskunden. An eine kritische Öffentlichkeitsmachung des Problems kam die Volksstimme nicht drumherum. In der Ausgabe vom 5. Mai 1962 wurde berichtet, dass „der Rat der Stadt schon wiederholt Beschwerden von Bürgern der Stadt und des Kreises erhalten hat“. Zitat: „Es wird darin darauf hingewiesen, dass die Wartenden hier oftmals Belästigungen ausgesetzt sind, weil sich der Alkoholausschank ungünstig auf einige Gemüter auswirkt.“

Frieda und Paul Litschke betrieben die Kleingaststätte in der Buswartehalle auf dem Platz des Friedens von 1956 bis 1963. WartehalleA) Die Betreiber der Kleingaststätte in der Buswartehalle Platz des Friedens Frieda und Paul Litschke rechts im Foto.

Zeilen wert ist auch der Schlasze-Kiosk. Von ihm ist jegliche Spur getilgt. Er thronte bis zur Neufassung des Platzes in den siebziger Jahren für geplante Wohnungsbauten auf einer großzügigen Verkehrsinsel zwischen Bahnhofstraße und Schartauer Straße. Exakt dort, wo wir heute über den Gummersbacher Platz gehen. In der Nazizeit soll es den kleinen Bau schon geben haben, aber nur als Buch- und Zeitungsladen. Herbert Schlasze nahm sich ihm nach dem Krieg an und bot den Burgern einen Kiosk. Er nannte ihn „Zum Pavillon“ an eine Stelle, die guten Umsatz versprach. An ihr marschierten täglich hunderte Menschen vorbei, die zum Bahnhof wollten oder von ihm kamen. Zu Schlaszes Zeit wurde bekanntlich der Bahnverkehr noch stark in Anspruch genommen.

Der alte Kiosk Schlasze

Keine Kneipe aber ein bekannter Kiosk war der Pavillon von Herbert Schlasze auf dem späteren Gummersbacher Platz. Dort gab es eine Kugel Eis für einen Groschen, Bier, Brause und auch Tabakwaren. Das Foto entstand in den fünfziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts.

Kinder standen im Sommer oft in Reihe vor seinem Kioskfenster. Das Wassereis kostete pro Kugel nur 10 Pfennig und soll lecker geschmeckt haben. Für die großen Leute hielt er Köstritzer Schwarzbier bereit. Eine Köstlichkeit, die als Exportbier eingestuft wurde und sonst nicht zu haben war. Als sein Pavillon wegen erwähnter Bauphase verschwinden musste, zog Schlasze mit seinem Kiosk in die Schartauer Straße?? um. Er war in der Hausfassade etwas zurückgesetzt und bestand bis wenige Zeit nach der Wende. Dann hatte den Verkaufsraum unter anderem eine Versicherung als Geschäftsstelle inne und seit deren Auszug leer

Eine besondere Note hatte bis Ende der siebziger Jahre die „Schaubude“ an der Ecke Schartauer Straße zum Magdalenenplatz. Von ihm ist nicht kein Stein mehr zu sehen. Das Gebäude wurde in den neunziger Jahren für einen Neubau abrissen. Aber als der Imbiss „Schaubude“ noch existierte, war er bestens besucht. Der Spitzname, verdächtig von Westfernsehguckern von der damals gleichnamigen sonnabendlichen NDR-Sendung entlehnt, verfügte rechts und links über zwei ausladende Schaufenster, durch die man gut informiert werden konnte, wer da im Augenblick heißhungrig eine Bockwurst verspeiste. Diese Burger Schaubude war nicht von ewigem Leben. Nach ihrer Schließung funktionierte die HO die Räumlichkeit zu einem An- und Verkaufsladen um.

1959 wurde im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes der Flickschupark umgestaltet. Glanzpunkte der Anlage waren der Kinderspielplatz mit Planschbecken und der als Fliegenpilz errichtete Verkaufskiosk.

Wer sieht noch den Pilz im Flickschupark vor dem geistigen Auge? Die Anzahl der Burger dürfte nicht klein sein, wobei sie nicht an das edle Wiesen- und Waldgewächs denkt, sondern an einen Pilz, aus dem reichlich Pils herausgereicht wurde. 1959 hatte die Stadt beschlossen, den Flickschupark neu zu gestalten. Zu dem Projekt sollte gehören, für Erholungssuchende Werktätige einen Kiosk nicht zu vergessen. Da geschah auch nicht. Er bekam das Aussehen eines hölzernen Pilzes. Nur hatten die Initiatoren das Vorhaben nicht hundertprozentig durchdacht. Wer trinkt, dem drückt klar ausgedrückt bald die Blase. Empfohlen wurde den „drängenden“ Bierkonsumenten bitteschön den Abort des nahen Einheit-Sportstadions zu nutzen. Der Weg schien den Pilzgästen mit drückender Blase dann doch zu weit. Also entleerten sie sich kurzerhand in nahen Gebüschen und hinter Bäumen.

Flickschupark um 1969

Das Ausleben des menschlichen Bedürfnisses nahm so überhand, das der benachbarte Spielplatz von erbosten Eltern zum Spülplatz umgetauft wurde. 1969 folgte die Notbremse der Kreisverwaltung. Sie verfügte ein Verbot des Ausschankes von alkoholischen Getränken. Lediglich zum alljährlichen Parkfest wurde eine Ausnahme genehmigt. Aufhorchen lässt heute die unbestätigte Information: Es soll von Sponsoren Überlegungen geben, erneut einen gastronomischen Kleinbetrieb im Flickschupark zu bauen – dann hoffentlich mit moderner Toilette!

Einen Auftrieb der Kioskwirtschaft gab es mit Beginn der achtziger Jahre. Ursache war die Partei- und Staatsorder von ganz oben, Kioske auch von Privatpersonen als Kommissionshändler der HO einrichten zu lassen – mitunter auf dem eigenen Grundstück oder im Eigenheim. Innenpolitische Absicht war die Einsicht, an Wochenenden und nach Ladenschluss „die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten“.

Legendär war in der Magdeburger Chaussee der Kiosk im Tor, wie er im Volksmund hieß. In einem Nebengelass des Hofgeländes hatte der Betreiber seinen Kiosk eingerichtet und nichts dagegen, wenn der eine oder andere Kunde ohne Aufsehen das ein Flaschenbier mit dem Kumpel vor Ort leerte

Eine gleichfalls bekannte Kioskeinrichtung war in der Magdeburger Promenade die von Lothar Kraneiß. Er hatte eigentlich einen Minigaststättenbetrieb am Laufen gehabt, bevor er sich der unweit befindlichen Zentralhalle, wie in diesem Buch an anderer Stelle nachzulesen ist, gewidmet hatte.

Die Konsumgenossenschaft wollte bei der Nutzung solcher Einnahmequellen nicht nachtraben. Sie brachte in einem seitlichen Nebenraum der Kaufhalle Burg-Süd eine so genannte Schnellverkaufsstelle unter, was einem Kiosk gleichkam. Vor allem an dem Wochenende bildeten sich mitunter Schlangen von Käufern aus dem Stadtteil Burg-Süd und Umfeld bis weit vor die Tür. Frau Körner war die Verkäuferin, die mit erstaunlichem Arbeitseinsatz über Jahre ihre Kundschaft bediente und das über das Rentenalter hinweg.

Comments are closed.