Herrenkrug

Die Gaststätte, die einst an der heutigen Bundesstraße 1 Richtung Genthin stand, hieß zuerst „Zur Stadt Berlin“ und später Herrenkrug. Heute ist das Gelände Sitz einer Baufirma, nach dem Zweiten Weltkrieg einer Außenstelle des Jugendwerkhofes und danach der örtlichen Straßenmeisterei. Aus der Burg’schen Zeitung vom 12. Januar 1861 ist zu ersehen, dass es dort die Gaststätte „Zur Stadt Berlin“ gegeben hatte. Wann genau vorher sie Premiere gehabt hatte, ist nicht mehr aus dem Zeitungsarchiv zu ersehen.

Erster Gastwirt war Theodor Ströhmer. Ihm gehörte die Immobilie nicht, sondern einer Witwe Probst. Nach der Pachtzeit eines weiteren Gastronomen verkaufte sie ihr Eigentum im Frühjahr 1865. Einigermaßen erstaunlich die weitere Geschichte des Hauses. Zwar blieb die Gaststätte, für die oft mit der Bemerkung „Nur 10 Minuten von Burg entfernt“ geworben wurde, weiter unter dem Namen „Zur Stadt Berlin“ erhalten. Das Areal lag offensichtlich nicht nur günstig zum Betreiben eines Gasthofes. Fabrikant Hermann Stüber machte im Juni 1867 am gleichen Standort eine Sydolith- und Steingutfabrik auf. Unter anderem stellte er Butter- und Fleischkühlgefäße und Wasserkühlflaschen her.

In den achtziger Jahren des 19.Jahrhunderts erfolgte die Umbenennung in Herrenkrug. Damit sollte der nahen Stadt Magdeburg nachgeahmt werden, die eine gleichnamige Restauration nachweisen konnte und sie noch heute als Edelhotel hat. Der Burger Herrenkrug sollte eine Ausrichtung erhalten, die für den Zeitraum von vier Jahren weit über die Ihlestadt hinaus für einen guten Ruf sorgen sollte. Der Gerwischer Gustav Kuhtz übernahm ihn 1902, schien sehr radsportinteressiert zu sein und wandelte das Gelände zu einer Radrennbahn, wobei der Charakter einer Ausflugsgaststätte gewahrt blieb. Kuhtz fand für das sportpolitische Unternehmen in dem Velocipeden-Club von 1882 Burg einen begeisterten Beistand. Die Radsportfreunde konnten für den 6.Juli 1902 zum Eröffnungsrennen aufrufen. Es sollen Massen von Zuschauern erschienen sein, die die Bahn von 250 Meter Länge gesäumt hatten. Es folgten sehr viele Radsportspektakel und auch Motorradrennen namhafter Teilnehmer aus dem Großraum Magdeburg, aber auch Deutschland und sogar Frankreichs. Bei dem Franzosen handelte es sich nicht um einen Radfahrer, sondern um einen Läufer. Er reiste mit dem Wettaufruf durch die Welt, schneller als ein Radfahrer oder Pferd rennen zu können. Er siegte in Burg dann auch tatsächlich mit einem knappen Vorsprung von dem menschlichen und tierischen Kontrahenten.

Es dauerte nicht allzu lange und die Bahn war derart in einem baulichen Verriss, dass das Interesse an weiteren sportlichen Treffpunkten abklang. Der Fußballclub Teutonia Burg nutzte den Platz noch als Spielstätte. 1906 wurden aber die defekte und äußerst strapazierte Bahn und der Platz abgerissen. Aus den Quadratmetern wurde eine Ackerfläche.

Die Gaststätte Herrenkrug war bis in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts geöffnet. Nach Schließung diente der imposante Bau mit seinen Räumlichkeiten als Außenstelle für den Jugendwerkhof „August Bebel“. Untergebracht waren ausschließlich junge Frauen, die im „Roten Stern“ und in der „Knäcke“ ausgebildet wurden. Bedauerlich für viele männliche Burger, dass sie stark unter Aufsicht standen. Auch hatte die Kreisstraßenmeisterei eine Zeit lang dort ihre Büros. Heute befindet sich der Firmensitz des Baubetriebes und Baustoffhandels Bethge in diesem Gebäude. Der Saal des ehemaligen Gaststättenarsenals wurde im Jahre ….. für die Kreiskaninchenausstellung genutzt.

Gütters Gastronomie (Ihleschlässchen und Sennhütte)
Hohenzollernpark
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