Brehm

Die Gaststätte Brehm gehörte zu den Burger Tabagien und somit zu den traditionsreichsten Gastwirtschaften der Ihlestadt. Ältere Burger werden sie noch aus dem eigenen Erleben kennen – bis sie 1951 abbrannte.

Bereits die Vorgeschichte des Hauses war von einem Brand gekennzeichnet. Gastwirt Neukranz erwarb das Gelände im Brehm Anfang des 19 Jahrhunderts. Als sein Wohnhaus Opfer des Feuers wurde, ließ er als Konsequenz ab 1828 die Tabagie einschließlich Tanzsaal zu bauen. Charakteristisch für die unverwechselbare Architektur waren zwei Dachtürme rechts und links der Giebelfassade.

Die raucherfreundliche Gastwirtschaft wurde zusehends ein beliebtes Ausflugsziel der Burger, vorbehaltlich des Mittelstandes. So geht 1878 aus dem Burger Tageblatt hervor, dass Lehrer Th. Völkel der Katholischen Schule zum Spaziergang Richtung Brehm einlud. Aber schon die Jahrzehnte zuvor, war der Brehm Wanderziel von Schulklassen, wie unter anderem in aller Regelmäßigkeit die der in den 40-Jahren des 19.Jahrhunderts gegründeten Burger Realschule.

Hübigsche Tabagie auf dem Brehm

Die Schützengilde Burg richtete unweit ihren Schießplatz und nahm 1922 die benachbarte Gaststätte Brehm als Feierort zum 400-jährigen Bestehen des Vereins. Ohnehin war sie immer wieder Veranstaltungsort von Vergnügungen für jedermann. „Auf nach dem Brehm“ hieß es im Juli 1893. Es wurde zu einem großen Volksfest gerufen. Der Wirt versicherte und wies zugleich an: „Es können sich 1000 Kinder daran beteiligen. Jedes Kind hat sich für 10 Pfennig ein Fahne und eine Schärpe zu kaufen…“ Freiluftkonzerte gab es praktisch über die gesamte Existenz der Gaststätte. Vor dem 1. Weltkrieg waren es vornehmlich Militärmusiker, die zu hören waren. So am 1. August 1906. Angekündigt wurde vom Inhaber Böttcher: „Ein großes Konzert der ganzen Kapelle des Altmärkischen Feldartillerie Regimentes Nr. 40 unter Leitung ihres Stabstrompeters, des Herrn Brügmann.“ Erinnerungswert ist gleichermaßen, dass das Brehm-Areal Landwirten günstig für tierische Ansiedlungen war. Im Herbst 1907 wurde bekannt, dass ein Dr. Ferdinand aus Berlin auf dem Grundstück des dort zu findenden Erholungsheimes „Waldfrieden“ eine Geflügelzüchterei „in größerem Maßstab einzurichten gedenkt“.

Das tragische Ende der Traditionsgaststätte Brehm kam am 25.Mai 1951. Sie brannte nieder, wobei die Besitzerin in den Flammen umkam. Das Gasthaus war den Burgern dermaßen beliebt gewesen, dass nach dem Unglück zur Erinnerung an das Ausflugslokal ein Lindenbaum an der eingeebneten Fläche gepflanzt wurde. Anerkennenswert nach der Wende 1989, dass die Familie Dalchow versucht hatte den Brehm-Anlaufpunkt wieder zu beleben. Nach dem Bau der Mauer war sie nach Hamburg gegangen, bekam aber nach der Einheit Deutschlands ihr Eigentum zurück. Der Neustart sollte ein hölzerner Imbisspavillon „Am Brehm“ sein, den Lieselotte Dalchow betreiben wollte. Sie musste aus familiären Gründen letztendlich darauf verzichten. Es half dann auch nicht, dass die Dalchows händeringend versuchten, einen Pächter zu suchen. Es meldete sich nicht ein Interessent. Es musste bei der guten Idee blieben.

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Gütters Gastronomie (Ihleschlässchen und Sennhütte)
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