Ausflugsziel Kanal

Am 6. November 1871 wurde der Ihlekanal für den Verkehr freigegeben. Ab diesem Zeitpunkt eröffneten einige Gastwirte am Ufer der Wasserstraße Ausflugslokale. Zwei sind besonders in Erinnerung: „Helgoland“ und „Schweizerhaus“.

Der erste Gastwirt vom „Helgoland“ war Peter Hauschild mit Frau Elisabeth. Beide geborene Niegripper, wagten sie ihr gewerbliches Glück nahe Burg. Der Bau ihrer Lokalität ist heute noch erhalten, auch wenn er vor mehr als 100 Jahre etwas anders aussah. Es handelt sich um das Haus in unmittelbarer Nachbarschaft der Knäcke-Kanalbrücke, auf der Uferseite Richtung Stadtteil Überfunder.

Ein Treffpunkt für Ausflügler der gesamten Umgebung, um nicht nur Brause, Kaffee und Bier zu konsumieren, sondern auch Sport zu treiben. Ruderboote zur Vermietung wurden angeschafft.

Zu einem weiteren Sportvergnügen wurde im Winter gerufen. Entweder der zugefrorene Kanal oder eine Spritzeisbahn an der Gaststätte wurden zum Schlittschuhlaufen angepriesen. Im Januar 1912 kostete der Spaß beim Helgolandwirt für Kinder 10 Pfennig und für Erwachsene 20 Pfennig. Ansonsten lud in Vorkriegszeit stets im April der Ruderklub Burg zum Anrudern ein.

Bis in die 60er Jahre diente das Gebäude dem Knäckewerk als Kindergarten. Heute ist es in Privatbesitz. Kurios das Baufieber ab den 80er Jahren neben dieser Ex-Gaststätte Helgoland. Die alte Kanalbrücke wurde abgerissen. Die Auffahrt zum neuen Brückenwerk führte praktisch unmittelbar an den Fenstern vorbei. Vor wenigen Jahren wurde von dem Wohnhaus wieder abgerückt: Im Zuge der Kanalverbreiterung projektierten die Bauverantwortlichen die jetzige Brücke samt Auffahrtsstraße in verträglicher Entfernung.

Das Schweizerhaus wurde vermutlich eher als Lokal betrieben als Helgoland. Es findet sich in der Burgschen Zeitung vom 7. Juli 1874 die Anzeige als Einladung für einen Besuch. Die Adresse lautete Uferstraße 3 und ist heute gleichfalls Wohnsitz in Privathand.

Im Unterschied zum Helgolandkneiper bot Schweizerhaus-Betreiber Garschina zur Weihnachtszeit 1879 seine Eisbahn unentgeltlich an. Er war aber vorsichtig und ließ die Öffentlichkeit wissen, „dass die Bahn nur von einem bezeichneten Punkt betreten werden darf, da das Betreten der Uferböschung bei Strafe von der Canalpolizei verboten ist.“

Er hatte noch weitere Attraktionen im Angebot, zum Beispiel im Juli 1894 eine „Schwimmende Haifisch-Ausstellung“. Der glückliche Fänger, so hieß es, war der in Hamburg hoch geschätzte Kapitän Corsen, der auf dem Dampfer „Cuxhaven“ unterwegs war. Erinnerungswürdig ist für das Schweizerhaus der September 1910. Der Burger Flugpionier Gustav Schulze stellte seinen Motorflieger vor. Nicht am Ufer des Ihlekanals hat das Deichwall-Restaurant gelegen, ist aber als Ausflugsstätte durchaus einige Zeilen wert.

Heute längst Privatadresse, soll es ein beliebter Treffpunkt der Angler gewesen sein. Aus drei Richtungen konnten sie das Gasthaus auf dem Deich an der Verbindungsstraße Burg-Blumenthal erreichen. Von den Anglerparadiesen Parchauer See, Dunckersee und Elbe. Dass in den Debatten Unmengen Anglerlatein gesponnen und mancher Beutefisch groß geredet wurde, dürfte zu vermuten sein

Zwar waren die verschiedenen Vereinsheime am Rande des Kanals nicht vorrangig öffentliche Ausflugsziele, sollen an dieser Stelle aber nicht vergessen werden. 1920 war es noch möglich im Kanalgewässer bedenkenlos zu schwimmen. Im Dezember 1930 vergrößerte der Freie Ruder- und Kanusport Burg an der Blumenthaler Brücke seinen Stammsitz. Was heute noch an den Premierenbau erinnert, ist der Saal in der ersten Etage. Einige Jahre früher, nämlich am 22. August 1926, weihte der Ruder-Club Burg seine Bootshaus ein. Es hatte seinen Platz an der Feldmark Lüdersdorf und war zu DDR-Zeiten Wassersportheim der BSG Empor Burg.

Der Burger Schwimmclub Hellas hatte Schwimm- und Trainingsbahnen am Kanal, in der Nähe der Blumenthaler Brücke, eingerichtet. Auch sie bewirtschaften ein Vereinsheim ausschließlich für ihre Mitglieder.

Erwähnenswert auch das längst verschwundene Vereinsheim der Burger Sportangler an der Parchauer Brücke, das 1936 errichtet wurde. Hier befand sich ein Ausschank, der nicht nur von Mitgliedern des Vereins genutzt wurde.

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