Der Hexenturm

Mit der Errichtung der ersten Burger Stadtmauer im 11. Jh. entstand auch der Hexenturm, allerdings in einer anderen Bauweise. Vermutlich war er ursprünglich ein stadtwärts offener viereckiger Turm, der dann am Ende des 15. Jh. zu seiner heutigen Form umgebaut wurde.

Das Turminnere war früher nur über den oben verlaufenden Wehrgang der Stadtmauer zu erreichen, aber mit dem Wegfall dieser wurde eine zweite Tür in Bodennähe als weiterer Zugang geschaffen. Im Erdgeschoss ist ein kleiner Raum der mittig mit einer im Fussboden eingelassen Öffnung versehen ist, durch die die Delinquentinnen in das tiefe, dunkle und feuchte Verlies herab gelassen wurden.

Als der Turm um 1700 seine eigentliche verteidigende Funktion bei Angriffen auf die Stadt Burg verlohr wurde er zu einen Gefängnis für „liederliche“ Mädchen umgebaut.

In den Jahren von 1616 bis 1619 fanden in Burg 10 Hexenprozesse (mehr Infos auf www.heimtverein-burg.com) statt, Die bekanntesten Insassen aus dieser Zeitt waren die als Hexe bezichtigte „Schwarze Barbare“, welch am 16. Dezember 1600 auf dem Scheiterhaufnen verbrannt wurde und die 1732 – 1733 als Kindesmörderin überführte Marie Huhn (Sage von der Marientränke)

Sage von der Marientränke

Einst lebte ein wunderschönes Mädchen in Burg, mit dem Namen Marie.
Sie stammte aus einem reichen Elternhaus.
Aber wo Not und Elend zu Hause waren, half sie gern.
Als sie an einem Abend nach Hause kam, lag vor ihrer Tür ein Bündel.
Sie überlegte, was sie wohl mit dem Bündel machen sollte.
Plötzlich hörte sie ein leises Wimmern. In den Tüchern fand sie ein Baby.
Marie badete und wickelte es und suchte nun nachen irgendwelchen Zeichen,
die vielleicht über die Herkunft des Kindes berichten können. Da sie nichts fand,
nahm sie an, dass es wahrscheinlich sehr arme Eltern waren.

Marie kümmerte sich täglich um das Baby, aber es wurde immer schwächer,
bis es an einem Morgen tot im Bettchen lag. Marie schrie vor Schmerz laut auf,
so dass die Nachbarn herbeigelaufen kamen und das tote Kind sahen.
Schon am anderen Morgen erzählten die Bösen Klatschweiber von Burg überall in der Stadt,
Marie hätte das Kind wahrscheinlich selbst getötet. Schließlich kamen Knechte und holten Marie ab.
Sie wurde in den Hexenturm geworfen und erhielt nur Wasser und Brot.

Täglich kam der Henker zur ihr, schlug sie mit einer Hundepeitsche und zwickte sie mit einer glühenden Zange.
„Gestehst du nun, dass du das Kind umgebracht hast?“ fragte sie der Henker.
Marie sagte: „Nein, nein, ich habe es nicht getan.“
Nach einer Woche kam der Henker mit einer siebensträhnigen Peitsche
und legte ihre Daumen noch zusätzlich in einen Schraubstock.
Vor Schmerz nicht mehr aushaltend, rief Marie: „Ja, ich habe das Kind erwürgt.“

Nun brachte das empörte Volk Marie vor das Schartauer Tor zu einem Teich,
steckte sie in einen Sack und ließ sie so lange unter Wasser tauchen, bis kein Geist mehr in ihr war.
Später stellte sich heraus, dass Marie unschuldig war. So heißt diese Stelle bis heute „Marientränke“.

Bis zum Jahr 1846 wurde der Turm noch als Frauengefängnis genutzt, dann aber durch das neu erbeute Gericht mit angegliedertem Gefängnis in der Hainstr. abgelöst.

1885 sollte der Turm abgerissen werden, weil die Stadt keine Verwendung mehr hatte. Dies wurde auf Anweisung der Magdeburger Regierung verhindert. Ein erneuter Versuch den Turm im Jahr 1895 abzutragen, weil die „Katzentreppe“ dort entstehen sollte, scheiterte ebenfalls und so wurde die Treppe einige Meter neben dem Turm gebaut.

Bereits 1985 wurde der Hexenturm durch den Kulturbund der DDR saniert. Die umfassende grosse Sanierung wurde dann von 1998 bis 1999 im Rahmen des Altstadt-Sanierungsprogrammes der Stadt Burg realisiert.

Der Wasserturm
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