Von der Ersterwähnung – 1609

War Burg bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung eine Burg

Mit hoher Wahrscheinlichkeit, war Burg als Ort schon früher als vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung vorhanden. Die Elbe, im frühen Mittelalter lange Zeit die Grenze zwischen den Slawen und den germanischen Völkern, wurde durch beide Bevölkerungsgruppen zur Grenzfeste ausgebaut. So gab es wendische Befestigungen gegen das Vordringen der Deutschen, aber auch deutsche Befestigungen gegen die zurückgedrängten Wenden, die aber wieder bis zur Elbe vorstießen. Aus diesen und anderen Gründen kamen Historiker in der Vergangenheit dazu, das Burg schon bei seiner ersten Erwähnung eine Festung war. (Siehe: Die legendäre „Hildagsburg“ – der Vorläufer von Burg?).


Der Magdeburger Archivrat von Mühlverstedt kam in seiner Arbeit

„Das angebliche Schloss der Stadt Burg, seine Lage und vermeintliche Entstehung“ (etwa 1870/80 entstanden) zu dem Ergebnis – welches nichts beweist – das in unserer Stadt überhaupt eine Burg vorhanden gewesen ist. Trotzdem vertraten verschiedene Leute die Meinung, auch ohne urkundlichen Beweis, dass, wenn die Stadt den Namen „Burg“ hat, hier auch eine Burg (Festung) gewesen sein muss. Doch diese Schlussfolgerung geht von dem heutigen Begriff „Burg“ aus. Doch das Wort „Burg“ hatte im 10. bis 12. Jahrhundert eine andere Bedeutung. Davon müssen wir heute bei der Deutung ausgehen. Die altsächsische Bezeichnung ÞBorg“ hatte ursprünglich nicht nur die Bedeutung einer Festung, sondern wurde auch bei einer befestigten Großsiedlung/Stadt angewendet. Keine Urkunde, die die Stadt Burg erwähnt, noch in ihr ausgefertigt wurde, erwähnt, dass Burg eine „Veste“ war. Als Burg im 10. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde, hieß sie eine „civitas“ (eine ummauerte Stadt). Burg war von Anfang an ein Marktfleck, ein Kreuzungspunkt für den Warenverkehr. Schon deshalb war es von Beginn an befestigt, doch keine Festung in unserem heutigen Sinne.

Der Burger Weinberg, 1685 als Burgberg bezeichnet.


Die legendäre „Hildagsburg“ – Der Vorläufer von Burg

In dem Buch „Deutschlands Städtebau – Burg bei Magdeburg“, versucht Dr. Herms, den Beweis anzutreten, dass Burg wesentlich älter ist, als es die erstmalige Erwähnung vom 1.Oktober 948 vermuten lässt. (S. 10 ff.)¹ Kaiser Karl der Große zog 805/806 hier in unserem Lande gegen die Slawen. Nach Beendigung des Feldzuges ließ König Karl, Sohn des Kaisers, von den unterworfenen Slawenfürsten ein Kastell erbauen. Diese Burg wurde in der Geschichtsschreibung unter dem Namen „Hildagsburg“ bekannt. Über deren Standort wurde lange gestritten. Herms stellte nun den Versuch an, zu beweisen, dass diese legendäre „Hildagsburg“ hier errichtet wurde, wo sich heute die Stadt Burg befindet. Er beruft sich dabei auch auf den Burger Chronisten Martin Schmidt, der bereits 1747 glauben machen wollte, dass der Burgberg, die heutige Oberstadt, das Kastell gewesen sei. Darauf sich stützend, verfolgt Dr. Herms diese Theorie weiter und schreibt dann zum Schluss seines Artikels: Lokaluntersuchungen und wissenschaftliche Kombinationen haben die Zahl der Beweise für die Identität Burgs mit dem Elbkastell Karl des Großen von 805 ungeahnt vermehrt, so dass ich hinlänglich beweisen zu haben glaube, dass unsere Stadt ihren Ursprung aus dem Kastell nicht nur herleiten kann, sondern muss, zumal ein anderer Ort auf dem rechten Elbufer im Jerichowschen, oder sonst wo, ernstlich nicht in Betracht kommen kann. Mit vollem Recht blickt also Burg heute auf ein Alter von 1123 Jahren zurück.¹ Nun muss allen unseren Vorvätern zwar großer Enthusiasmus bescheinigt werden, doch wir können ihnen heute nicht die Enttäuschung ersparen, sie lagen falsch mit ihren Vermutungen. Archäologische Ausgrabungen und Funde auf dem Weinberg in der Nähe von Hohenwarthe im Sommer 2008 ergaben, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die „Hildagsburg“ an dieser Stelle stand, und nicht in der Burger Oberstadt. Damit konnte das Gründungsdatum der Stadt Burg nicht, wie von den Herren erhofft, auf das Jahr 806 zurückdatiert werden.

¹) „Deutschlands Städtebau – Burg bei Magdeburg“ Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Burg, bearbeitet von Stadtbaurat Willy Boese; erschienen im Dari-Verlag Berlin-Halensee 1929; „Über den Ursprung der Stadt Burg“ von Geh. Rat Dr. Herms, Kreisarzt i.R.

2009 wurde hier bei Grabungen die Hildagsburg nachgewiesen.


Burg und seine mittelalterlichen Wehrbefestigungen

Burg als Wehrhafte Stadt

Wie zur Zeit des Mittelalters üblich, wird auch Burg von Anfang an eine Befestigung gehabt haben. Doch die erste „Stadtmauer“ wird wohl kaum eine Mauer in unserem heutigen Sinn gewesen sein. Im 10. Jahrhundert wurden Siedlungen mit Palisaden, Wällen und Gräben umgeben. Die tiefen Gräben versuchte man mit Wasser zu füllen, wo dies nicht möglich war, gab es auch tiefe trockene Gräben. Erst später, 11./12. Jahrhundert, wurden Mauern aus Stein errichtet.  Am Anfang waren es in Burg behauene Steine, die sauber zusammengesetzt wurden. Später, bei der Erweiterung der Stadtbefestigung, nahm man unbehauene Feldsteine, die man mit viel Mörtel ausgoss. Im letzten Abschnitt baute man einfache Gussmauern (heute noch in der Bethanienstraße zu sehen). Es wurden zwei schwache Parallelmauern hochgezogen, den Zwischenraum füllte man mit Steinen aus und vergoss sie mit Mörtel. Dies war bereits im 14. Jahrhundert, ls Burg besonders durch die Zuwanderung der Flamen wuchs, der besiedelte Teil größer wurde und befestigt werden musste. Die Stadtmauer hatte zu diesem Zeitpunkt eine ungefähre Länge von 3,5 km. Zum größten Teil war die Mauer gute 4 Meter hoch. Wie die meisten Stadtmauern der damaligen Zeit war sie innen von einem hölzernen Wehrgang umgeben.

Zur Stadtmauer von Burg gehörten 30 Wehrtürme und fünf Tore, die den Zugang zur Stadt kontrollierten.
Diese fünf Tore waren:

  • Berliner Tor
  • Magdeburger Tor
  • Zerbster Tor
  • Schartauer Tor
  • Neues Tor (am Ausgang der Franzosenstraße)

Berliner Torturm

Zerbster Tohr

Kuhturm (Freiheitsturm)

Hexenturm

Vor den Mauern waren weiterhin die Stadtgräben und Wälle, welche eine zusätzliche Sicherung darstellten. Auch die Ihle wurde in die Befestigung mit einbezogen. 1595 stürzte ein Teil der Stadtmauer an der Ostfront, südlich der Ihle ein und wurde 1599 wieder aufgebaut.

Reste der Stadtmauer am Weinberg


Militärische Auseinandersetzungen und ähnliches in der Zeit vor dem 30 – jährigen Krieg

1238 Zerstörung der Burg (Schloss) Biederitz, des darunter liegenden Dorfes und der Kapelle durch Magdeburger Bürger, auch Burger sollen maßgeblich daran beteiligt gewesen sein.
1325 Beitritt der Stadt Burg zu dem Bündnis der Städte Magdeburg, Calbe und Halle gegen Erzbischof Burchard III., der gefangen genommen und von vier Wächtern aus Magdeburg, Halle, Calbe und Burg ermordet wird.
1379 Beitritt zum Städtebündnis mit Stendal, Gardelegen, Osterburg, Tangermünde, Alt – und Neustadt Magdeburg, Calbe, Haldensleben, Jüterbog, Groß-Salze und Staßfurt gegen Raubritter und Sicherung der Handelswege.
1413-1419 Verwicklung in den so genannten „Magdeburgischen Krieg“ zwischen den Erzbischof von Magdeburg und dem Markgrafen von Brandenburg.
1431 Bündnis der Städte Burg, Magdeburg, Halle, Jüterbog, Calbe und Haldensleben gegen Erzbischof Günter.
1433

Im Krieg der Stadt Magdeburg gegen den Erzbischof Günter wegen unterschiedlicher Eigentumsansprüche für den Warthturm „Kiek in de Köken“ kann sich Burg nicht zur offenen Parteinahme für die Nachbarstadt entschließen. Sie muss erst durch eine kleine Belagerung am 30. Oktober dazu gezwungen werden. Nach der Übergabe der Stadt Burg folgt ein Bündnis mit den Magdeburgern, nachdem sich die Städte in allen Gefahren beizustehen geloben.

04. Mai 1435 Friedensschluss zwischen Erzbischof Günter und den verbündeten Städten Magdeburg, Halle, Calbe, Burg und Haldensleben, die ihre alten Freiheiten, Rechte, Privilegien und Gewohnheiten behalten. Der auf der Stadt Burg liegende Bann wird aufgehoben.
1445-1520 Sicherungsbündnis zwischen Burg Brandenburg und Zerbst.
1529 Als von Burg aus Korn auf der Elbe bei Blumenthal verschifft werden soll, werden Wichmann, von Wulffen, der Bürgermeister Willmann und Johann Pfund durch Magdeburger Ratsherren gefangen gesetzt, da die Stadt Magdeburg auf das ihr allein zustehende Stapelrecht besteht.
8. Okt. 1598 Durchsetzung des erzhöflichen Burger Privilegs, in der Mark Blumenthaldie Kornverschiffung vorzunehmen, beginnen Burger Bauern bei Derben, einen Frachter nach Hamburg zu verladen. Daraufhin erscheinen an diesem Tag 300 Soldaten in Derben und fallen über die Hamburger Fracht her. Die Stadt Magdeburg besteht wiederholt auf ihr Stapelrecht.
1609 Die Warthe auf dem Weinberg wird erbaut, ein viereckiger Turm aus Eichenholz, mit Steine ausgemauert und verblendet.
von 1610 - 1713
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