von 1610 – 1713

Prägende Ereignisse dieser Zeit für die Stadt Burg waren:
Kriege, Brände, Pest und Hunger

Zitat:

„Aber auch Hoffnung auf wirtschaftlichen Neubeginn mit dem Verkauf der Stadt an Kur-Brandenburg und die Aufnahme der Hugenotten und Pfälzer.“

1. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Zu dem Jahrhunderte alten Gegensatz zwischen Kaiser und Fürsten um Macht, Besitz und Einfluss kam die religiöse Seite dazu. Diese brach zu Beginn des 17. Jahrhunderts in voller Schärfe aus. Im Zuge der „Gegenreformation“ versuchte der Katholizismus verlorene Positionen zurück zu gewinnen. So kam es in Böhmen zwischen der königlich katholischen Regierung und evangelischen Ständen zum Eklat. Im Streit um ihre Rechte warfen Vertreter der böhmischen Stände kaiserliche Stadthalter vom Hradschin in den weit über 15 m tiefer gelegenen Burggraben. Alle überlebten zwar, da Kehrichthaufen den Sturz minderten. Keiner hatte jedoch die Bedeutung und Folgen dieses Sturzes vorausgeahnt.

Zitat:
Nun galt Gewalt vor Recht.  Das „Siegen, Verlieren und Sterben“ begann

2. Die Stadt Burg im 17. Jahrhundert

Gegenüber dem 1. Berichtsabschnitt bis 1618 hat sich nichts verändert. Es gibt keine Garnison in der Stadt. Auch die im 15. Jahrhundert in der „Stadtwillkür“ festgeschriebene Pflicht zur Teilnahme an der Bürgerwehr ist weiter aktuell. Sie ist gut ausgebildet, wie das folgende Geschehen beweist.

3. Einschneidende Ereignisse
1626 kommt der 30-jährige Krieg in Burg an und General Graf Schlicke erscheint mit etlichen 1000 Mann kaiserlichen (katholischen) Truppen, beschießt und bestürmt die Stadt – kann sie aber nicht einnehmen. Allerdings lösen die vielfältig eingeworfenen „Feuerkugeln“ eine schreckliche Feuerbrunst aus.

Zitat:

„Der Chronist schreibt hierzu:
„die wohl gebaute Stadtschule nebst vielen umliegenden Häusern,
Scheunen und Ställen wurden jämmerlich in Asche gelegt und zum Steinhaufen gemacht“
„Borgk, eyne fein verwahrte Stadt“ beschreibt ein weiterer Bericht die Stadt Burg.“

Hier hören wir das erste Mal von der Anwesenheit fremder Truppen in unserer Stadt. Es sind Soldaten des Landesherren, des Administrators Christian Wilhelm.

1630 fliehen Bürgermeister, Ratsherren und die meisten vornehmen Bürger zu ihrem Schutz nach Magdeburg Sie mussten aber 1631 die Einnahme und Vernichtung der Stadt durch Tilly, mit dem Verlust ihres Besitzes und über die Hälfte auch mit dem Verlust ihres Lebens, bezahlen.

1635 wird Burg im „Prager Frieden“ an das Kurhaus Sachsen abgegeben. Nun dreht sich das Feindbild um und Burg wird fortan von den Schweden als Feindesland behandelt. Noch weitere

13 Jahre tobte auch in unserer Gegend der Krieg und der neue Landesherr war nicht in der Lage, die Stadt zu schützen. Hier die Geschehnisse der Einquartierungen, Plünderungen Durchzüge, schwere Contributionen und Brandschäden bis 1648 zu beschreiben, würde den Rahmen dieser Ausstellung sprengen. Wir beschränken wir uns auf den Anfang Prager Fenstersturz 1618, den Beginn des Krieges für Burg 1626 und den letzten Kampf in Burg um den Berliner Torturm 1645.

Über diesen letzten Kampf ist folgendes überliefert

 Zitat:  Pfarrer Petrus Treske aus Schlagenthin berichtet dazu:

 „1645, in diesem Jahr haben die aus Magdeburg die Schwedischen,so sich des vorigen Tags in Burg geleget, austreyben wollen,sich aber aufm Thurm erhalten, dahero sie etliche hauser angesteckt, vermeinet vom Turm zu treiben,Gott tröste die abgebrandte, 6. Aug.“

Die Burger Ratsherren berichteten 30 Jahre später:

„ Am 6ten Augusto dieses Jahres seindt wieder 2 Compagnien Tragoner u. 2 Compagnien Reuter alhier undter dem Commando des H. Major Schlagenhauffen Einquartiret. Seindt aber wegen ihrer großen Sicherheit von den Magdeburgischen überfallen, repoussiret und ruiniret worden. Bey diesem Überfall am Obern Tohr, worauf sich die repuossirte Reuter retiriret, seindt 18 Heuser, so dorbey nechst angelegen, in Brand und Feur rein ufgegangen. Unndt die Burger neben den Soldaten geplündert worden.

1648 war der Friedensschluss mit dem „Westfälischen Frieden.“ Leider wurde auch dort die Abtretung der Stadt und des Amtes Burg an das Kurhaus Sachsen bestätigt. Unter Übergriffen marodierender Resttruppen hatten die Burger noch geraume Zeit zu leiden. Zurück blieb eine zerstörte und entvölkerte Stadt, die ringsum nur zollpflichtiges magdeburgisches

1687 konnte die sich nicht erholende Stadt durch geschickte Diplomatie des Burger Bürgermeisters Mühlpforte, für 33.000 Taler an Kur-Brandenburg, den „Großen Kurfürsten“, verkauft werden. Die Übergabe an Brandenburg wurde 1688 vollzogen.

1687/88 siedelten sich die Hugenotten und Pfälzer an, die der Stadt mit ihrem Dasein und ihren Handwerken, wie Tuchmacher und Bierbrauer, gut taten. Es keimte neue Hoffnung für die Genesung der Stadt.

Flugblatt anlässlich des Westfälischen Friedens

1713 wird Burg Garnisonstadt. Die ersten preußischen Truppen ziehen ein.


Von der Ersterwähnung - 1609
Von 1714 - 1871
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