Steinhaushalle

Die Gaststätte Steinhaushalle auf der Hälfte der Schartauer Straße wäre vermutlich nie eröffnet worden, hätte es im Hintergrund des Grundstückes keine Brauerei gegeben. Sie war seit 1802 im Familienbesitz. Das Braurecht bestand allerdings für den Standort bereits seit 1576.

Der Weg vom Brauhaus zum Zapfhahn war äußerst kurz und somit ideal, den Vorteil gastronomisch nutzen zu wollen, muss sich Karl Kirsch Ende des 19.Jahrhunderts gedacht haben. Er machte im November 1891 die Steinhaushalle als erster Wirt auf. Etwas im Dunkeln aus heutiger Sicht muss bleiben, was in der Eröffnungsanzeige etwas kleingedruckt dieser Zusatz zu bedeuten hatte: „Separates Zimmer für Damen eine Treppe hoch“. Mit der Gleichberechtigung zwischen männlichen und weiblichen Gästen schien es wohl nicht weit her gewesen zu sein, können wir nur spekulieren.

So auffallend attraktiv das einstöckige Gebäude auch war, es brachte bis zum Ersten Weltkrieg Besitzern und Pächtern nur wenig wirtschaftliches Glück. Zehn nachweisbare Wechsel waren es, die das vermuten lassen. Gastwirt August Langenbeck hatte den Negativrekord 1911 geboten. Im April gab er die Übernahme der Steinhaushalle bekannt, ab 1. September hieß der nächste Betreiber Otto Holz.

Bis 1926 war die Fassade ohne das Relief, das die Sage vom Bierbrauen bildlich erzählt. Das unübersehbare Kunstwerk wird heute noch vor allem von Burger Gästen genauestens in Augenschein genommen.

Zu gastlichen Ehren kam die Steinhaushalle in den jüngsten Jahrzehnten nicht mehr, obwohl sich das alteingesessene Ihlestädter immer wieder gewünscht hatten. . Im April 1951 machte Karl Mahnke nebst Frau die Steinhaushalle neru auf, aber als Stehbierhalle titulierte. Es dauerte nicht lange und diese Kneipe hatte von einschlägigen Besuchern ihren Spitznamen weg, nämlich „Schwarzer Mahnke“. Der Gastraum soll vom ausgiebigen Tabakgenuss so verräuchert gewesen sein, dass sich bald der interne Kneipenname „Zum schwarzen Mahnke“ eingebürgert hatte. Nicht ganz ein Jahrzehnt später unternahm die HO einen letzten Versuch, die Räumlichkeiten als Gastraum zu nutzen. Die volkseigene Handelsorganisation des Kreises rüstete im Mai 1960 die Steinhalle zu einem HO-Weinlokal um. Das Motto lautete „Trinke nicht wahllos – trinke Wein“. Der Werbespruch soll keine Burger Erfindung gewesen sein, sondern Losung zwischen Ostsee und Thüringen. Mit einer DDR-gültigen Vermarktungskampagne sollte der Verkauf von Weinen aus Bruderländern wie Ungarn und Bulgarien und aus dem eigenen Land, zum Beispiel aus dem Unstruttal, angekurbelt werden.

Steinhaushalle vor 1926

Steinhaushalle nach 1926

In den achtziger Jahren wurde letztendlich in der schon verwaisten Steinhalle eine Behindertenwerkstatt eingerichtet. Nach einigen Jahren der Leere fasste im neuen Jahrtausend ein Burger Händler den Entschluss, im ehemaligen Gastsaal ein Wein- und Spirituosengeschäft aufzumachen.

Unvollständig wäre der Beitrag über die Steinhaushalle, wenn unerwähnt bliebe, dass es im angegliederten gleichfalls angenehm augenfälligen Gebäude auch eine Gaststätte gegeben hat. Ursprünglich war das lang gestreckte Haus Wohnsitz und Verwaltung der Steinhausbrauerei. Die erwähnte Kneipe war um einige Jahrzehnte jünger als die benachbarte Steinhaushalle. Familie Paproth eröffnete das Bräustübl am 10. Februar 1977 und hielt es bis um die Wendezeit offen.

Die Speisegaststätte war beliebt bei den Burgern für ein gutes Mittagessen oder Getränk zwischendurch. Vor 1989 war die Brauerei noch im Betrieb, nur nicht mehr zur Herstellung des Hopfengebräus. Es wurden ausschließlich alkoholfreie Getränke hergestellt und abgefüllt. In hochgradigen Hitzesommern mussten die fachfremden Mitarbeiter der Kreis- und Stadtverwaltung oftmals Sonderschichten fahren, um die Versorgung der Bevölkerung mit durststillenden Selterswasser halbwegs sicherstellen zu können. In Erinnerung blieb bei manchem Konsumenten von damals, dass die Flaschen klebrig waren und der flüssige Inhalt salziger schmeckte, als ein Mineralwasser vom Standard her vertragen durfte.

Steinhaushalle nach der Renovierung im Herbst 1899. Fritz Bünnige

Spatzenfalle
Zur Brückenklause
Bookmark the permalink.