Schmales Handtuch

Die Kneipe „Schmales Handtuch“ in der Bahnhofsstraße 8 hatte schon immer den Spitznamen als Eigenname gehabt. Unmittelbar neben dem gehobenen Hotel Lachmund gelegen, musste sich der Inhaber aber nie einen Kopf wegen niederschmetternder Konkurrenz machen. Das „Schmale Handtuch“ war halt nur eine Bierschwemme, Anfangs vorbehaltlich für Arbeiter gedacht. Was der Lokalnamen betrifft, muss nicht viel Fantasie aufgewendet werden: Der Gastraum war schlank wie ein Handtuch.

Eine Anzeige im Burger Tageblatt vom 21. Februar 1914 erinnert daran, dass sie zu der Zeit

Else Schiffter, die letzte Wirtin der Schankwirtschaft „Schmales Handtuch“ in der Bahnhofstraße. Sie wurde von ihren Stammgästen liebevoll „Mutter Schiffter“ genannt. Die Gaststätte musste in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dem Neubau des Büro – und Produktiosgegebäude der Burger Bekleidungswerke weichen.

die eingetragene Bezeichnung „Emil Tuchen’s Stehbierhalle“ hatte und eine bescheidene Speisekarte vorwies: „Bockwurst mit Salat“. Später war es Otto Heisinger, der die kleine Gastwirtschaft inne hatte.

Schließlich war es nach dem Krieg bis ins hohe Rentenalter Else Schiffter, die als Wirtin liebevoll Mutter genannt wurde. Bis in die siebziger Jahre stand sie am Zapfhahn und empfing auch mal Gäste während des Ruhetages oder über die Sperrstunde hinaus. Als Schleichweg wurde von Eingeweihten ein Seiteneingang durch das Tor genutzt. Auch Mitarbeiter des nahen Rat des Kreises und Beschäftigte des gegenüberliegenden Volkspolizeikreisamtes trafen sich entweder zur Arbeitspause oder nach Feierabend bei Else Schiffter, um in Ruhe den Behördenalltag auszuwerten.

Anfang der achtziger Jahre musste die kleine Kneipe Abrissplänen weichen. An Stelle des Gebäudes entstand das Verwaltungs- und Produktionsgebäude des Burger Bekleidungswerkes. Es stellte vorrangig Dienstbekleidung für NVA, Volkspolizei und Feuerwehr her. Aber auch für westdeutsche Handelsketten wurde Bekleidung auf Band gelegt.

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