Scharfe Ecke

Scharfe Ecke vor 1936

Die Biergaststätte „Scharfe Ecke“ am Rolandplatz war von Mitte des 19.Jahrhunderts an kombiniert mit der benachbarten Brauerei Theodor Krepper. Sie wurde von ihr als Bierausschank geführt. Deshalb die offizielle Doppeladresse Magdeburger Straße 44/45. Viel Aufmerksamkeit verbuchte die Eckkneipe viele Jahrzehnte später als Verkehrshindernis. Ihre Hausecke war nur wenige Meter von einem gegenüberliegenden Eckgebäude des Kaiterlings entfernt und führte in einem scharfen und engen Schwung die Fahrbahn um die Ecke. Die Gaststätte kam zu ihrem Namen. In den dreißiger Jahren war diese Kreuzung Bestandteil der Reichsfernverkehrsstraße und bei dem stetig wachsenden Fahrzeugverkehr ein Nadelöhr mit reichlich Unfällen. Es blieb dem Gaststätteneigentümer nichts anderes übrig, als die Ecke des Erdgeschosses des Fachwerkhauses herauszunehmen und darüber die erste Etage als Erkerzimmer umzubauen. Eine Lösung, die man heute noch als gelungen bezeichnen kann.

Scharfe Ecke um 1960

Die Biergaststätte blieb in den Jahren nach 1945 in Privathand und musste sich über einen Mangel an Gästen nicht beklagen. Nach ihrer Schließung Ende der 70er-Jahre blieb sie einige Zeit geschlossen. Als 1986 Burg eine Gastgeberstadt der DDR-Arbeiterfestspiele, ein kulturpolitischer Höhepunkt der damaligen Zeit, wurde, gelang es der Stadt gemeinsam mit der Schuhfabrik „Roter Stern“ mit einer aufwendigen Bausanierung aus der Scharfen Ecke ein anheimelndes Kulturhaus zu gestalten. Es wurden bleiverglaste Butzefenster mit dem Zunftwappen der in Burg traditionellen Handwerksbranchen eingebaut. Ein Detail der Erneuerung, der zu dem Zeitpunkt der Mangelwirtschaft fast eine Sensation war. In den Folgejahren entwickelte sich die gewandelte Gaststätte zu einem beliebten Treffpunkt der Burger. So waren nicht nur Veranstaltungen von Betriebskollektiven, Organisationen und Vereinen möglich, sondern auch Privatfeiern. Nur den Rang einer Gaststätte bekam die Scharfe Ecke nie wieder. Nach der Wende gab es die verschiedensten Versuche, das markante Burger Fachwerkhaus zu verkaufen, was leider bis zum Abriss im September 2012 erfolglos blieb.

Scharfe Ecke im Juli 2012 kurz vorm Abriss

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