Richters Reichshallen

Wo heute am Markt die Lokalredaktion der Volksstimme in einem Neubau Zuhause ist, stand bis zum Abriss ein Fachwerkbau, der Richters Reichshallen beheimatet hatte. Längst war nichts mehr von ihr zu sehen. In Vorwendezeiten war eine Bierstube, also auch eine Kneipe, und ein Fischladen untergebracht. Ansonsten dümpelte das Gebäude, das bis in die Deichstraße mit einem Saal hineingereicht hatte, vor sich hin.

Gottfried Richter war der erste Eigentümer der Reichshallen, wie aus einer Anzeige der Burgschen Zeitung vom 28. März 1872 zu entnehmen ist. Um die Attraktivität seiner Kneipe zu erhöhen, wollte er wie andere Berufskollegen eine Kegelbahn bauen lassen. 1875 war davon die amtliche Rede und der Bauantrag an die Behörde gestellt. Nur missfiel die Vergrößerungsabsicht den Anwohner Bünger. Er protestierte schriftlich gegen den Bau einer Kegelbahn.

Es handelte sich um einen schmalen langen Hof, in dem die Bahn langgestreckt Platz finden sollte. Ein Ende direkt an der Hauswand des misstrauischen Bünger. Er befürchtete schlafstörende „viele Geräusche und Gepolter“, das seiner Familie sehr sehr lästig werden könnte. Bünger forderte die Baupolizei auf, die schon erteilte Genehmigung zurückzuziehen. Mehr Bauglück hatte Gottfrieds Sohn, Paul Richter., dem er die Reichshallen übereignet hatte. Er konnte 1882 eine Etage auf den Teil des Gebäudes setzen, das an den Markt grenzte.

Paul Richter vertraute nicht allein auf den Gewinn der Gastwirtschaft. Er zog dort zusätzlich einen Tabakhandel auf und verkaufte Zigarren bis zum Nordhäuser Kautabak. Der Gastwirt machte sich außerdem einen Namen mit der Mitgliedschaft in verschiedenen Vereinen. Anlässlich seines Todes am Neujahrstag 1930 wurde daran erinnert, dass er über fast fünf Jahrzehnte Mitglied des Männerturn-Vereins, des Gastwirts-Vereins und der Sängervereinigung „Arion“ war. Außerdem gehörte er der Burger Quartett-Vereinigung und dem deutschen Werkmeisterverband an, das stets als Ehrenmitglied. Und vergessen wurde nicht, dass Paul Richter Mitbegründer der Feldschlösschen-Brauerei gewesen war.

Paragraph 11
Scharfe Ecke
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