Paragraph 11

Die Gaststätte „Paragraph 11“ in der Schartauer Straße galt in der Nachkriegszeit einige Jahre lang in Burg neben dem Hotel Roland als örtliche Vorzeigegastronomie. Ihr juristisch klingender Name, um das gleich zu klären, prangte vom ersten Tag der Eröffnung Anfang vorigen Jahrhunderts über der Eingangstür. Dem erste Wirt muss daran gelegen haben, möglichst viele der Gäste zur allerletzten Ausschankminute des Tages am Tresen halten zu wollen. Die Wahl der Bezeichnung „Paragraph 11“ lässt das vermuten. Der Ausdruck kommt aus dem Wortschaft der Studentenkneipe und aus den nachfolgenden Stammtischregeln. Er soll so viel bedeuten wie: „Es wird weiter gesoffen.“

Die Schartauer Straße 58 war 1903 ein Neubau. Der damals in Burg bekannte Gasthofbesitzer Schweinhagen hat ihn errichten lassen. Nur war in den ersten Jahren keine Gaststätte heimisch, sondern das Geschäft des Sattlers und Tapezierers Fritz Buchschatz.

Erst Anfang 1905 künden Zeitungsanzeigen, dass es in dem Haus den „Paragraph 11“ gibt, in der Anfangsphase kurz und bündig als „§ 11“ ausgewiesen.

Seine vielen Burgern bekannte Ausdehnung im Erdgeschoss des Gebäudes erfolgte zu Beginn der sechziger Jahre. Vorher war nur die linke Seite des Hauses eine Kneipe. Gaststättenbetreiber Erich Behnke hatte mit dem HO-Gaststättenbetrieb 1959 einen Vertrag zur staatlichen Beteiligung abgeschlossen. Die alte Gaststättenräumlichkeit konnte erweitert und modernisiert werden. In einem Zug bekamen die Kreisstädter eine neue Speisegaststätte samt Café, Eisdiele und Konditorei.

Die staatliche Beteiligung tat offensichtlich gut, es flossen Gelder zur Erneuerung. Wie die Volksstimme im Februar 1969 befriedigend meldete, habe sich der Umsatz in den ersten zehn Jahren der bestehenden Kommissionspartnerschaft zwischen Behnke und HO vervierfacht. Waren es zu Beginn sieben Angestellte, wurde das Personal auf 30 Mitarbeiter aufgestockt. Zum Beispiel wurde im Haus der Kuchen selbst gebacken, der am Wochenende im Außerhausverkauf äußerst begehrt war. Oft bildeten sich geduldig wartende Käuferschlangen am Konditoreistand.

Ein Blick in die Speisekarte der siebziger Jahre zeigt, dass der „Paragraph 11“ mehr im Tagesgeschäft anzubieten hatte, als das Gros der hiesigen Gaststätten. Als „Nachtisch“ wurde ein Eisbecher mit Ananas und Sahne angeboten. Eine fruchtige Krönung, die zu DDR-Zeiten als Bückware galt. Das damit kaum verwunderliche, der Ananaseisbecher kostete 4.20 Mark, mehr als das Schweinekotelett „Nach Art des Hauses“ zu 4 Mark als teuerste Speise auf dieser Karte.

Trotz der Erfolgsgeschichte wurde die Gaststätte als Familienbetrieb am 11. Juni 1976 geschlossen. Zwar gab es in den achtziger Jahren noch einmal den Versuch der HO sie zu beleben. Aber die Wende 1989 überlebte der „Paragraph 11“ nur einige wenige Jahre. Ein Investor ließ zu dieser Zeit allerdings die über Jahrzehnte bestehende Fassade zum Teil verschandeln. Er ließ einen Torähnlichen Eingangsbereich bauen. Heute ist im Erdgeschoss die Filiale einer Bank zu finden.

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