Schulterblatt

Der älteste nachgewiesene Gasthof Burgs stand einst am Rolandplatz, sogar noch bis in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Am Ende hieß er nicht mehr Schulterblatt, sondern Helmholdts Bierhaus. Über einen großen Teil der DDR-Jahre war in den Räumlichkeiten die Zentrum-Diskothek untergebracht.

Das Gründungsprivileg datiert aus dem Jahr 1717. Erster Eigentümer war eine Familie Schinne. Der für das Gasthaus eingeführte Namen Schulterblatt soll seinen Ursprung darin haben, dass beim Bau des Hauses urzeitliche Knochen gefunden wurden. Angeblich von einem Elefanten. Ergänzend gibt es noch diese Geschichte. Ein weit gereister Seemann soll den Schulterknochen eines Walfisches gespendet haben, der als sinnbildliches Aushängeschild über der Eingangstür prangte.

1857 ließ Gastwirt Harnisch einen Neubau errichten. Das Detail der Frontansicht ist dem Bauantrag entnommen.

In den Jahren 1857 und 1858 wurde der Gasthof zu einem Hotel gewandelt. Die damals ersonnenen neue Fassade hat sich bis zum heutigen Tage nicht wesentlich geändert. Erster Betreiber des Schulterblatt-Hotels war Gottfried Harnisch. Eine überlieferte Episode lässt vermuten, dass der Gastwirt dem Namen seines Besitzes alle Ehre machen wollte. Im Juni 1863 wurde angekündigt, dass ein Walfisch im Haus ausgestellt wird. Das Meerestier wiege 6000 Pfund, habe noch seinen ganzen Speck auf den Rippen, war an der Küste bei Travemünde gestrandet und soll nun in das K.K. Museum nach Wien transportiert werden. Als einen Zwischenstation der langen Reise hatten die Zoologen die Burger Hotel Schulterblatt“ auserkoren und auch gleich eine öffentliche Besichtigung des Kadavers erlaubt: Eintritt zwei Silbergroschen, Militär, Dienstpersonal und Kinder die Hälfte…

Aber auch das Schulterblatt war dem Schicksal ausgeliefert, wie manche anderen Gaststätten und Hotels in Burg. Die Besitzer und Betreiber wechselten ständig. Dem Ersteigentümer Harnisch folgte August Tatge, der aber einen Teil der Räumlichkeiten einer landwirtschaftlichen Bank vermietete. Bis kurz nach dem 2. Weltkriege war es vermutlich sechs weitere Hoteliers, die ihr berufliches Einkommen versucht hatten.

Im August 1949 schlug dann eine neue Zeit für das Hotel. Das besondere an der Neueröffnung: Das „Schulterblatt“ wurde zur ersten HO-Gaststätte der Ihlestadt und der augenscheinlich etwas zu saloppe Name geändert. Ab dem Zeitpunkt hatte die gastliche Einrichtung die Bezeichnung „Stadt Burg“, blieb es aber nicht auf ewig. Als in den sechziger Jahren anstatt des alten Roland-Hotels ein sozialistisch geprägtes Hotel gebaut wurde, musste die benachbarte HO-Gaststätte ihren Namen „Stadt Burg“ für das neue Haus hergeben. Nur eines blieb trotze aller Wandlungsversuche: Im Volksmund hieß die Gaststätte stets „Schulterblatt“.

Hintere Reihe: Ernst Kutscher, Frieda Heinrich, Holstein, Anni Stranz, Karl Progatzki und Musiker Vordere Reihe: Christa Wiesner, Fritz Janisch und Lisbeth Hotop

Anfang der siebziger Jahre richtete der HO-Kreisbetrieb eine Diskothek für die Jugend ein und einen zentralen Punkt für die Schulspeisung der Burger Kinder. Nach der Wende hatten die neuen Besitzer wenig Glück. Bis zum Ende der neunziger Jahre erstarb das gastronomische Leben Stück für Stück. Zum Finale wurde hin und wieder nur noch für eine Tanzveranstaltung geöffnet, dann kam das endgültige Aus.

Hotelier Alfred Reinbothe ließ 1909 den Saal erbauen. Das Foto von 2007 dokumentiert den Langsamen Zerfall des Bauwerkes.

Lachmund
Zum Roland
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