Lachmund


Zwei Jahre nach Eröffnung im März 1900 firmierte das Hotel in der Bahnhofstraße 8 unter dem Namen „Zum Kronprinzen“. Besitzer war R. Wellendorf. Von ihm übernahm im Mai 1902 Carl Lachmund das Haus. Der neue Chef nannte es ab dem Tag „Lachmunds Hotel“. In Überzeugung seiner gastwirtlichen Fähigkeiten setzte er stets hinzu „größtes und elegantestes Hotel und Restaurant am Platz“ zu sein. Er ließ über seine Speisekarten in Anzeigen verkünden, dass täglich frischer Hummer, Oderkrebse sowie holländische und englische Austern im Angebot sind. Eine überlieferte Sondermenükarte lässt wissen, dass die katholische Kirchengemeinde der Ihlestadt von der Qualität des Lachmunds so überzeugt war, um in seinem Etablissement die Einweihung der neuen katholischen Kirche, sie war in der benachbarten Blumenthaler Straße gebaut worden, zu feiern. Das war am 27. Mai 1906 geschehen. Die geladenen Ehrengäste konnten eine Speisenfolge über elf Gänge genießen, von der Krebssuppe und Rheinlachs über Riesenspargel, Rehkeule und diverser Salat bis zur Ananasbombe, Käseplatte und Mokka.

Wer zu den Zeiten sich regional und weltpolitisch gründlich informieren wollte, konnte das bei Lachmund in aller journalistischen Vielfalt. Er bot den Gästen bis zu 45 Tageszeitungen und Illustrierte zum Lesen unter seinem Dach an. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges gab sich Carl Lachmund dann als ganzer kaiserlicher Patriot und legte obendrein die tägliche Ausgabe der Deutschen Kriegszeitung und wöchentlich das Kriegsecho dazu. Zusätzlich versorgte er die Damen und Herren mit den Kriegsnachrichtendiensten verschiedener größerer Zeitungen. Aber auch Carl Lachmund musste augenscheinlich schwere geschäftliche Zeiten überleben. Während der Weltwirtschaftskrise muss er sich nur noch auf den Hotelbetrieb verlegt haben. Dann aber war im Burger Tageblatt am 9. Januar 1932 diese Anzeige abgedruckt: „Zur Aufrechterhaltung meines Hotels bin ich gezwungen, auch die Bewirtschaftung der gesamten Gasträume in Lachmunds Hotel wieder zu übernehmen.“

Lachmunds Hotel in der Bahnhofstraße

Ein trübes Kapitel der Geschichte des Hotels sollte ein Jahr später folgen. Am 30. April 1933 wurde es als Haus Potsdam wieder eröffnet. Carl Lachmund war nicht mehr der Besitzer. In dem Hotel war ab der Zeit die Geschäftsstelle der Nazipartei untergebracht. Nie mehr sollte es dann vorrangig als Hotel dienen, auch nicht zu Zeiten der DDR. Im Gebäude residierte unter anderem die Abteilung Landwirtschaft des Rat des Kreises. Einige ehemalige Gasträume im Erdgeschoss hatten die Funktion als Betriebskantine der Verwaltung des Kreises Burg. Heute ist der Komplex im Besitz des Corneliuswerkes. Geplant ist, ihn zu einer sozialen Einrichtung für Jung und Alt umzubauen.

Deutsche Eiche
Schulterblatt
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