Fürst Bismarck

Den Gasthof „Zum Fürsten Bismarck“ werden heute nicht mehr viele Burger kennen. Zumindest unter diesem Namen. Bei der Bezeichnung „Zur Kleinbahn“ allerdings werden viele aufhorchen. Die Adresse lautete Zerbster Chaussee 17.

Nachweislich bestand der Bismarck-Gasthof schon Ende des 19. Jahrhunderts. August Thie, so ist einer Zeitungsanzeige vom 3. Oktober 1897 zu entnehmen, übergab ihn an den „Fritz Schacht, früheren Pächter der Kaiserhalle“. Dieser nahm in die Namensbezeichnung, die ein halbes Jahrhundert später galt, voraus. Er machte im Adressbuch 1899/1900 nämlich nachdrücklichst aufmerksam, dass sein Gasthof die Bahnhofs-Restauration zur Kleinbahn ist und über „gute Betten“ verfügt, sollte jemand vor oder nach der anstrengenden Reise nächtigen wollen. Nur schien Schacht von seinem Schlafangebot nicht recht überzeugt gewesen zu sein. Im gleichen Jahr reichte er seinen Gasthof an Max Eichelmann weiter und das am 3. Oktober 1900, wobei sich der allgemeine Übergabetermin zum herbstlichen Oktober für diesen Gasthof einzubürgern schien.

Tageblatt 3. Juni 1908

Exakt auf den Tag genau sechs Jahre später nannte in der gleichen Burger Zeitung Hermann Gürsch das Gasthaus „Zum Fürsten Bismarck“ sein Eigentum. Aber Eichelmann blieb dem Haus treu, wenn auch nicht ausschließlich als Gastwirt. Er ließ die Burger im Sommer 1908 wissen, dass er wieder höchst selbst nach entsprechender Renovierung mit einer italienischen Nacht den „Bismarck“ neu eröffnen wird. Aber er vertraute wie erwähnt den alleinigen Einnahmen aus seiner Gastwirtschaft nicht ganz.

Am 1. Oktober des gleichen Jahres rief er die Bauern zu sich, sollten sie doch ihm kleine bis große Posten Getreide verkaufen, zu einem Preis von 2. Mark je Wispel, den keine andere Mühle in der Umgebung biete könne.

Max Eichelmann hielt seinen Gaststättenbetrieb sehr kurz aufrecht. Am 6. Februar 1909 gab er ihn an Fritz Voigt jun. weiter, der gleichfalls einen kurzen beruflichen Atem bewies. Im gleichen Jahr Ende November stellt sich Paul Lücke als nächster Bismarck-Gastronom vor.

Es schien ein Fluch auf den Gasthof „Zum Fürsten Bismarck“ zu liegen. Ein viertel Jahr später hatte er den unwohlen Besuch des Gerichtsvollziehers Urbas. Es musste eine Zwangsvollstreckung vollzogen wurden mit einem Nachspiel, dessen Hauptgegenstand ein automatisches Klavier wurde. Um dieses Instrument, da auch beschlagnahmt, wurde sich gestritten. Wie von einem Rechtsanwalt Müller angemahnt wurde, gehörte es eigentlich der Feldschlösschenbrauerei Burg AG. Als Gläubiger haben die Bierbrauer nicht nur den gepfändeten Grundbesitz im Eigentum, sondern auch dessen Zubehör. Dazu zählte besagtes automatisches Tasteninstrument, auf das die Feldschlösschenbrauerei nicht verzichten wollte.

Das Restaurant „Fürst Bismarck“ gab es unter dem Name noch mindestens bis in das Gründungsjahr der DDR, wie einer Volksstimme-Annonce des Ehepaars Apitz vom 31. Dezember 1949 zu schlussfolgern ist. Aber der Name war in den fünfziger Jahren aus DDR-ideologischen Gründen nicht mehr zu halten.

Der Bahnstrecke naheliegend hieß die Gaststätte unverfänglich „Zur Kleinbahn“ und blieb es bis zu ihrer Schließung in den siebziger Jahren.

Die restliche Geschichte des Hauses ist schnell erzählt. Nach Jahren des Leerstandes wurde es als Wohnhaus für Familien der in Burg stationierten Sowjetarmee umgebaut und nach deren Auszug Anfang der neunziger Jahre als Wohnung für Burger genutzt, bis es 2005 (?) der Straßenneugestaltung weichen musste.

Die restliche Geschichte des Hauses ist schnell erzählt. Nach Jahren des Leerstandes wurde es als Wohnhaus für Familien der in Burg stationierten Sowjetarmee umgebaut und nach deren Auszug Anfang der neunziger Jahre als Wohnung für Burger genutzt, bis es 2005 (?) der Straßenneugestaltung weichen musste.

Vor dem Gasthof „Fürst Bismarck“ wurden Ende des 19. Jahrhunderts Häuser gebaut und Wege gepflastert.

Zur Sonne
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